Der Kommandeur der MOS, Kpt. z. S. Andreas Seidl, schreitet mit dem Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses, Thomas Röwekamp, die Front ab Foto: Bundeswehr Virginia Gruenhagen.

Eingang der Aula an der MOS, 23. Juni 2026. Foto: Bernd Koller.

Bremerhaven: Die Alma Mata der zentralen Ausbildungsstätte für die Operateure der Deutschen Marine, die Marineoperationsschule Bremerhaven, wurde 70 Jahre jung.

Bereits 1848 war die so genannte „Seezeugmeisterei“ das erste Kommando der Deutschen Marine in Bremerhaven und zwar zusammen mit den Standorten Brake und Geestemünde unter Führung von Admiral Carl Rudolph Bromme, genannt Brommy. Mit dem Ende der ersten Deutschen Bundesflotte wurde dieses Kommando 1852/1853 bereits wieder aufgelöst. Doch1871 mit Gründung des Deutschen Kaiserreichs rückten Bremerhaven und Geestemünde wieder in den Fokus maritimer Aufrüstung, die 1918 nach dem ersten Weltkrieg, zunächst bis zur militärischen Aufrüstung Mitte der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts, endete. Im Mündungsdelta der Geeste wurde die Kasernenanlagen der Marineschule Wesermünde gebaut, die 1945 nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges von der US Navy übernommen wurden.

Doch 1956, nach Aufstellung der Bundeswehr, errichtete die Bundesmarine zwei Schulen auf dem heutigen Gelände. Die Technische Marineschule II (TMS II) und die Marine Ortungsschule (MOS). Beide Einrichtungen wurden 1982 unter dem Dach der Marineoperationsschule zusammengelegt. Jährlich wurden dort  3.500 Soldaten ausgebildet. Im Rahmen der Umgliederung der Marine erfolge im Jahr 1997 die Umbenennung von Marineortungsschule in Marineoperationsschule. So konnte man die Abkürzung MOS beibehalten.

Gäste des Empfangs im Admiral Brommy Saal. Foto: Bernd Koller.

Im Jahr 2024 wurde die Heimstatt der Marineschule Bremerhaven in Admiral Brommy Kaserne umbenannt.

In Brake, auf der anderen Seite der Weser, wurde im Jahr 1848 der Standort einer ersten gesamtdeutschen Marine gebaut. Oberbefehlshaber war Admiral Carl Rudolph Bromme (Brommys Grab befindet sich in Brake, im Ortsteil Hammelwarden). Doch bereits 1852 wurde der Marinestandort bereits wieder geschlossen. Erst 1936 wurde dann in Brake die Admiral-Brommy-Kaserne während der Zeit des Nationalsozialismus gebaut. Ab 1956 wurde diese Kaserne unter dem gleichen Namen von der Bundesmarine genutzt, bis zur Schließung im Jahr 1997.

Kommandeur Kapitän zur See Andreas Seidl während seiner Festtagsrede. Foto: Bundeswehr Virginia Gruenhagen.

70 Jahre Marineoperationsschule Bremerhaven, das ist bei der Marine schon eine sehr lange Zeit, im Übrigen die längste als jede andere seit der Gründung der ersten gesamtdeutschen Marine im Jahr 1848, so Kommandeur, Kapitän z. S. Andreas Seidl. Grund genug für einen feierlichen Appell mit einem sich anschließendem Empfang in der Aula.

Das Marinemusikkorps Wilhelmshaven unter Leitung von Fkpt. Matthias Prock. Foto: Bundeswehr Virginia Gruenhagen.

Zahlreiche Ehrengäste hatten sich bei strahlenden Sommerwetter am Nachmittag des 23. Juni 2026  unter den Zeltdächern der Tribüne versammelt, so u.a. auch der Vorsitzende des 38köpfigen Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages, Thomas Röwekamp, selbst gebürtiger Bremerhavener und die Senatorin für Inneres und Sport der Freien Hansestadt Bremen und frühere Wehrbeauftragte der Bundesregierung, Eva Högl. Sie alle nahmen an dem feierlichen Apell teil, der professionell geplant und durchgeführt wurde. Der Einmarsch des Ehrenzugs und der Truppenfahne erfolgte unter musikalischer Begleitung des Marinemusikkorps Wilhelmshaven unter der Leitung von FKpt. Matthias Prock.

Zusammen mit dem Vorsitzenden des Verteidigungsausschuss, Thomas Röwekamp, schritt  der Kommandeur der MOS, Kapitän z. S. Andres Seidl, die Front ab. Es folgten die Reden vom Kommandeur und einigen Ehrengästen, begleitet von virtuos dargebotenen Musikstücken des Marinemusikkorps.

Einmarsch vor den Ehrengästen Foto: Bundeswehr Virginia Gruenhagen.

Der Personal-Stamm der MOS von rund 500 Soldatinnen und Soldaten sowie Zivilangestellten bildet jedes Jahr rund 4.000 Soldatinnen und Soldaten für die Verwendung an Bord aus. Die Allgemeine Grundausbildung gehört, wie die Fachausbildung für Fernmelde- und Signalbetrieb und Navigation dazu,  auch Fort- und Weiterbildungen auf dem Gebiet des Marineführungsdienstes und der operativen Kampfführung.

Die MOS sieht sich als vorwärtsdrängende Denkfabrik der jetzigen und zukünftigen Seekriegführungen. Dabei eint ein Gedanke: Seekrieg kennt keine Silbermedaillen! Kapitän Seidl sagt dazu „Jedem, der hier eine Uniform trägt, muss klar sein, dass er ein Kämpfer ist, wenn es darauf ankommt.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Das historische Wappen aus der Admiral-Brommy-Kaserne. Foto: Koller.

Beim Empfang in der geschmückten Aula wartete für die Anwesenden und Kommandeur Seidl eine handfeste Überraschung. Brigadegeneral a. D. Ralf Lungershausen, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik e.V., Bonn, in Brake geboren, hatte das uralte  Wappen der ehemaligen Admiral-Brommy-Kaserne bei einem Schützenverein entdeckt, es aufarbeiten lassen und zum Ehrentag mit nach Bremerhaven gebracht. Es wird nun die Aula der MOS zieren, die nun den Namen Admiral-Brommy-Saal trägt. Ein schöneres Geschenk war kaum denkbar.

Brigadegeneral a.D, Ralf Lungershausen (links) und FKpt. d. R. Bernd Koller.

Am Rande der Veranstaltung vereinbarten Lt. z. S. Brinkmann und KptLt. z. S. Steinig von der 1. Inspektion der MOS mit der REUNION Marine, vertreten durch das Ehrenmitglied FKpt.d. R. Bernd Koller, dass der Bestpreis der REUNION Marine für einen Absolventen der Lehrgruppe A im September 2026 verliehen werden soll. Ab 2027 soll diese Verleihung dann gemeinsam mit den Bestpreisen der drei Lehrgruppen B in einem feierlichen Rahmen erfolgen.

Bernd Koller, FKpt. d. R.